Zwei New Yorker Stadtnomaden

Für die Journalisten Christina Horsten und Felix Zeltner, die seit Jahren in New York leben, wird die unfreiwillige Wohnungssuche in der Millionenstadt zur Entdeckungsreise. Entstanden ist die „absurde Idee“, wie sie schreiben, aus der Not. Als beide mit ihrer neugeborenen Tochter Emma aus dem Krankenhaus zurückkerhten, fanden sie im Briefkasten die Wohnungskündigung der Vermieterin. Die wollte kein Babygeschrei im Haus. Für die nächste Wohnung gab es kurz nach dem Einzig eine drastische Mieterhöhung, die sich das Paar nicht leisten konnte. Weil in Deutschland gegenwärtig immens über die steigenden Mieten debattiert wird: In New York liegt die Miete für ein Ein-Zimmer-Appartement bei rund 3.000 Dollar im Monat – Tendenz steigend. Mietverträge werden für maximal ein Jahr abgeschlossen.

Das Paar startet ein ungewöhnliches Experiment: ein Jahr lang jeden Monat in einem anderen New Yorker Stadtviertel wohnen. Das heißt, wie Stadtnomaden zwischen Koffern, Wohnungsanzeigen und immer wieder neuen Nachbarn leben. Der ganze Hausrat muss in ein Auto passen, was die Frage aufwirft: Was benötigt man wirklich im Leben? Beide haben radikal ausgemistet, wie sie schreiben, „am Ende des Jahres zogen wir wirklich nur noch mit drei Koffern und Emmas Spielzeugkiste um“. Das Positive an dem Umzugsprojekt, das sie in einem Buch festgehalten haben: Sie lernen New York in einer kurzen Zeit kennen wie wohl kaum ein anderer. Letztlich: Ende gut, alles gut. Auf die Frage in einem Interview, was das Beste an der Odyssee durch New York gewesen sei, antwortete der Autor „Dass wir am Ende nicht nur einen bezahlbaren Kindergarten für Emma, sondern auch eine schöne neue Wohnung gefunden haben. Beides wäre ohne das Umzugsabenteuer nicht passiert.“ Erwähnenswert die farbigen Illustrationen und die Fotos in dem Buch, besonders die Sofafotos.   Ralf Roland


Benevento  Verlag, www.beneventobooks.com, ISBN 978-3-7109-0059-4, 300 Seiten, 16,00 Euro