Verschwundene DDR-Orte

Als Architektur von Weltklasse galt die Großgaststätte Ahornblatt an der Berliner Fischerinsel. Architekt war der Rüganer Ulrich Müther (1934-2007), der mit seinen Betonschalenbauten zu internationalem Ruhm gelangte. Das „Ahornblatt“ wurde unter Denkmalschutz gestellt, dennoch erfolgte im Jahr 2000 der Abriss. Die Proteste dagegen waren vehement, auch die Berliner Architektenkammer gehörte dazu. Das „Ahornblatt“ hat es wenigstens geschafft, Titelbild des Buches „Verschwundene Orte der DDR“ zu werden.

Rund 100 verschwundene Orte der DDR werden in dem Buch mit Fotos und kurzen Texten vorgestellt, vielfach Architektur, die oftmals mit viel Geschichte verbunden ist wie beispielsweise der Palast der Republik: Als es die DDR nicht mehr gab, erinnerte der Prachtbau an das untergegangene  Herrschaftssystem. Da mag es für manchen ein Glücksmoment gewesen sein, dass man in dem Palast Asbest verbaut hatte, wie es seinerzeit in Ost und West üblich war. Die Asbestbelastung diente mit als Grund, das Gebäude abzureißen, das mit seinem vielfältigen kulturellen und gastronomischen Angebot zum DDR-Alltag gehörte.

Vielerorts setzte nach der Einheit ein regelrechter Bildersturm ein, so wie ihn das SED-Regime nach dem Zweiten Weltkrieg praktiziert hatte. So mussten in Berlin und in Dresden unter anderem die Lenindenkmale weichen. Größe hätte man bewiesen, wären sie stehen geblieben mit einer erklärenden Texttafel, wer dieser Lenin war und dass die Monumente an das gescheiterte kommunistische System erinnern. Die Denkmale hätten Mahnmale dafür werden können, ähnliches nie wieder zuzulassen. Andere DDR-Bauten verschwanden, weil sie nicht mehr in die Städtekonzeption passten oder ihre Funktion verloren hatten wie der Intershop in Gera und das Mitropa –Motel in Usadel.   Ralf Roland


Bild und Heimat, www.bild-und-heimat.de, ISBN 978-3-95958-121-9, 128 Seiten, 12,99 Euro