Unterwegs in Nordkorea

Den ahnungslosen Leser dürfte der Titel „Unterwegs in Nordkorea“ auf dem Cover irritieren, denn Nordkorea verbindet sich bei uns mit Hunger, Propaganda, Säbelrasseln und Militärparaden. In dieses Land wird aber auch gereist. “Urlaub in Nordkorea ist kein Urlaub im klassischen Sinne, sondern man fährt ja genau deshalb dorthin, weil man an diesem System interessiert ist”, erfahren wir von Rüdiger Frank. Die Besucher kommen mit der Absicht, hinter die Kulissen des abgeschotteten Landes zu schauen, möchten riesige Kim Il-Sung-Statuen sehen und zur bestbewachten Grenze der Welt am 38. Breitengrad fahren. Das Land im Norden Koreas ist weitgehend unbekannt. Was der Tourist zu sehen bekommt, entscheiden die Funktionäre und letztlich die ständigen Begleiter, die einem nicht von der Seite weichen dürfen. Selbst in der Hauptstadt Pjöngjang werden sie mit im Hotel einquartiert, um ihre Gäste ständig im Auge zu haben. Man darf sich nicht frei bewegen, ein kleiner Bummel nach dem Hotelabendessen – nicht vorgesehen. Nicht weniges ist für einen Mitteleuropäer ungewohnt, so die groteske Selbstdarstellung, doch man sollte nie vergessen, Nordkorea gehört zu einem anderen Kulturkreis und ist ein diktatorisch regiertes Land.

In die Reisevorbereitung zu Hause mischt sich logicherweise eine Menge Sorge, denn die Informationen über den Norden Koreas sind spärlich und vielfach angsteinflößend. Rüdiger Frank hat in dem Land studiert und ist oft mit Reisegruppen unterwegs. Er schaut hinter die Fassade, und lässt den Leser dadurch vieles verstehen, er gibt in dem Buch überraschende Einblicke in den Alltag und die Kultur Nordkoreas, vermittelt manchen praktischen Tipp. Durch sein Buch lernt man das uns fremde Land kennen. Wer sich als Besucher an die strengen und uns vielfach unverständlichen Regeln hält, wird spannende und konfliktlose Tage erleben sowie aufgeschlossene und freundliche Menschen kennenlernen, sofern sich zu ihnen Kontakt ergibt. Wer Glück hat, gerät an Begleiter, die bestrebt sind, dem Gast das reale Leben zu zeigen und sich bemühen, ihm seine Wünsche zu erfüllen. Die Nordkoreaner machen einen glücklichen Eindruck, meint der Autor Frank und erläutert, woran das liegen dürfte: Weil sie kaum Vergleichsmöglichkeiten haben. Fernsehen und Rundfunk des eigenen Landes – anderes ist nicht zu empfangen – glorifizieren von früh bis spät das tägliche Leben.

Das Buch dürfte für all jene hilfreich sein, die sich für eine Reise in das abgeschottete Land entschließen. Für die Vor- und für die Nachbereitung. Eine interessante Lektüre ist es gewiss auch für jene, die selbst nicht nach Nordkorea reisen wollen, aber das uns weitgehend unbekannte Land und seine Menschen verstehen möchten.     Bernd Wurlitzer


Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), www.dva.de, ISBN 978-3-421-04761-8, 352 Seiten, 20,00 Euro