Tropenlandwirt

Das Buch behandelt ein aktuelles Thema: Die armen Länder dieser Welt sollten verstärkt unterstützt werden, indem dort mehr Menschen eine gute Ausbildung erhalten, sich dadurch die Versorgungslage bessert und die Sehnsucht nach Europa schwindet. So wie es Erhard Bergner viele Jahre lang praktiziert hat. Der promovierte Fachmann war auf dem Gebiet der Viehzucht  in der Volksdemokratischen Republik Jemen, dem Südjemen, für die DDR tätig. Er versuchte die Fütterung und die Haltung von Tieren zu verbessern, die Land- und Viehwirtschaft voranzubringen mit dem Ziel, dass die Menschen vor Ort sich selbst mit Nahrungsgütern versorgen können. „Als DDR-Experte unterwegs auf drei Kontinenten“ lautet der Untertitel des Buches.

Die materielle Unterstützung der VDR Jemen durch die DDR war bescheiden. Die Führung des Landes am Golf von Aden konnte das oft nicht verstehen. Rühmte sich doch die DDR, zu den zehn stärksten Industrienationen der Welt zu gehören. Aber die DDR half dem jungen Staat, der einen sozialistischen Entwicklungweg beschritt, sie leistete solidarische Unterstützung auf Gebieten, wo es ihr möglich war. Experten wie Bergner stellten ihr Wissen, ihre Erfahrungen zur Verfügung, vornehmlich in der Landwirtschaft, dem Gesundheitswesen und der Volksbildung. Das polytechnische Bildungswesen der DDR wurde nahezu übernommen – der damalige Bildungsminister, Hassan al-Salami, hatte in Leipzig promoviert. Bergner traf bei seinen Reisen durch das Land immer wieder Einheimische, mit denen er sich bestens verständigen konnte, denn sie hatten in der DDR studiert. Rund 3000 sollen es bis 1990 gewesen sein, als sowohl die VDR Jemen und wenige Monate später die DDR als Staaten von der Landkarte verschwanden.

Erhard Bergner erzählt in seinem Buch nicht nur von den kleinen Schritten, mit denen die Tierhaltung verbessert werden konnte, er beschreibt auch die Menschen, deren Eigenheiten sich sehr von unseren unterscheiden und die großartige Landschaft. Bergner reiste in Regionen, in denen die Stämme regierten und regieren, so in die schwer zugängliche Bergregion Upper Yaffa, in der er „kriegerische, stolze Bewohner“ kennenlernte. Nicht nur vom Südjemen, sondern auch vom Irak, von Somalia, dem Sudan, Tansania und Neuseeland wird berichtet, denn auch dort war Bergner tätig. Leider ist von dem, was er mit aufbaute, in unseren Tagen nicht viel geblieben. Der Jemen beispielsweise wurde in den Kreis der ärmsten Länder der Welt gedrückt, es herrscht Krieg, Millionen verloren ihr Zuhause, Krankenhäuser wurden zerstört. Bomben, Hunger und die Cholera bestimmen den Alltag. 17 Millionen Menschen hungern, das sind zwei Drittel der Bevölkerung des Landes.

Viele, die in der DDR auf ihrem Fachgebiet etwas zu sagen hatten, weil sie über enormes Wissen und große Erfahrungen verfügten, wurden nach der Einheit zum Schweigen verurteilt. Sie verloren quasi über Nacht ihren Job. Bergner erlebte das DDR-Ende an der Botschaft in New York, wenig später kam für ihn das Aus, der vorzeitige Ruhestand. Dass er und manch anderer noch einmal zu Wort kommt, ist dem einstigen Junge-Welt-Journalisten Frank Schumann zu danken, der nach dem DDR-Ende den Verlag edition ost gründete. Manfred Bergner, der „Tropenlandwirt“, der als Experte auf drei Kontinenten unterwegs war, half mit, dass die kleine DDR in vielen Entwicklungsländern großes Ansehen genoss. Die von ihm geschilderten Erfahrungen sollten von vielen gelesen werden.   B. W.


edition ost, www.edition-ost.berlin, ISBN 978-3-945187-91-3, 550 Seiten, 19,99 Euro