StadtführerZwickau

Mein Zwickau glaubte ich gut zu kennen, doch dass der berühmte Goldfinger-Darsteller Gert Fröbe nur 1,5 km vom Haus meiner Eltern geboren wurde, das habe ich erst durch Christian Adler erfahren. In dem Haus in der Edisonstraße 11 war Fröbe bis zum Tod seiner Mutter 1972 häufiger Besucher.

Jürgen Croy dagegen war in meiner Zwickauer Zeit noch völlig unbekannt, aber alle anderen – die Adler in seinem Zwickau Stadtführer nennt – waren mir ein Begriff wie August Horch und der Warenhaus-Unternehmer Schocken. Meine Mutter ging immer noch ins Schocken-Warenhaus, obwohl es längst den Namen der konsumgenossenschaftlichen Kette „konsument“ trug. Und über das Geburtshaus von Robert Schumann schrieb ich einen meiner ersten journalistischen Beiträge für die regionale Tageszeitung Freie Presse, bei der Adler ein Praktikum absolvierte.

Adler wurde in Zwickau geboren und verbrachte das erste Lebensjahr in der Stadt, ich dagegen lebte die ersten 21 Jahre meines Lebens in Zwickau. Hätte ich einen Zwickau-Stadtführer anders geschrieben als Christian Adler? Nein. Mein Kollege hat alles ausgereizt, was Zwickau zu bieten hat. Bei manchem hätte ich mir zwar etwas mehr gewünscht, so beim Konzert- und Ballhaus neue Welt mit dem wunderschönen Jugendstil-Saal einen Hinweis auf die legendäre Tanzschule Müller und die bis zum Mauerbau hier stattfindenden internationalen Tanzturniere, veranstaltet vom Tanzkreis Silberschwan. Auch an ein Konzert der legendären Münchner Band von Max Greger erinnere ich mich. Doch das ist alles subjektiv durch Erinnerungen geprägt.

Zwickau wird erstmals im Jahr 1118 in einer von  Bischof Dietrich I. von Naumburg ausgestellten Urkunde als “territorio Zcwickaw” erwähnt. Damit steht fest: In diesem Jahr begeht die Stadt ihr 900-jähriges Jubiläum. 1548 äußerte der Luther-Mitstreiter Philipp Melanchthon: „In Kunst und Wissenschaft übertrifft Zwickau alle Städte dieser Lande.“ Gewiss sind das etwas überschwängliche Worte, doch manche Eintragung in der Stadtchronik besitzt überregionale Bedeutung, so die von 1991: „Am 30. April läuft im Sachsenringwerk der letzte Pkw Trabant vom Montageband.“ Der steht im August-Horch-Museum und schon deshalb lohnt ein Besuch Zwickaus. Seinen Stadtführer verstehe er als „Lockruf“, schreibt Christian Adler. Möge er viele locken, wünscht der Zwickauer Bernd Wurlitzer.


Chemnitzer Verlag, www.chemnitzer-verlag.de, ISBN 978-3-944509, 240 Seiten, 14,95 Euro