Kreuzfahrtkrimi: Niemandsblut

In der Nacht vom 13. zum 14. Dezember 1979 wurde Schloss Friedenstein in Gotha Ziel des größten Kunstraubes in der Geschichte der DDR: Die Diebe klettern die Regenringe hoch und hangeln sich mit Hilfe von Steigeisen zu einem ungesicherten Fenster in der dritten Etage. Sie entwenden fünf Bilder der niederländischen Malerschule, deren Wert heute auf 50 Millionen Euro geschätzt wird. Von den Bildern – der Raub ist seit dem Jahr 2009 verjährt – und den Dieben fehlt bis heute jede Spur. Um dieses Verbrechen rankt Krimi-Autor Jörg Böhm seine Geschichte. Er baut weitere Handlungsstränge auf, sodass der Leser mehrere der vielen Personen in dem Buch verdächtigen wird. Welchen Auftrag hat Heike Luckow? Welchen geheimnisvollen Auftrag führen die beiden auf dem Kreuzfahrtschiff  „Virgin of the Ocean“ tätigen Artisten aus? Was hat Robby Freitag, der auch auf dem Schiff arbeitet, mit den Bildern zu tun? Sollte Mario Marin vielleicht auch? … Und dann gibt es noch die Kommissarin Francesca in Florenz und Heike Luckows Freundin Miryam Dannenberg, die als kleines Mädchen im Prolog des Buches noch von Munkwitz heißt. Einige der Kreuzfahrtgäste sehen am Starttag ihrer Kreuzfahrt in der Kathedrale von Palma de Mallorca eine an das Altarkreuz genagelte Nonne. Im nächsten Kreuzfahrthafen auf Korsika werden sie Zeuge, wie der Schiffsgalerist Damian Wehling auf offener Straße überfahren wird. Wer hat den Arzt  Dr. Giuseppe Bianchi getötet? Er baumelte bereits von der Decke herab, als sich Kerstin Luckow in sein Haus in der Toskana schlich. Am Ende des Buches fügt sich wie immer alles zusammen.

Böhm hat einen packenden Krimi geschrieben, den noch eine angenehme Nebenerscheinung auszeichnet: Das Kreuzfahrtflair bei der Reise durch das westliche Mittelmeer dürfte manchen anstecken, der bislang noch keine Kreuzfahrt unternommen hat. Dadurch gelang es ihm wohl, das Unternehmen Aida mit ins Boot zu holen. Einmal ist dem Autor jedoch die Phantasie durchgegangen. Als Beweis, dass es sich bei dem Raub in Gotha um eine „Auftragsarbeit der SED-Führung“ handeln würde, dient ihm die Behauptung, die Täter hätten genau gewusst, wo sie welches Kunstwerk finden“. Das ist doch wohl bei jedem Kunstraub dieser Größenordnung in Ost und West so! So auch bei dem wohl spektakulärsten Kunstraub der jüngsten Zeit, dem Raub einer 100-Kilogramm schweren Goldmünze im Jahr 2017 aus dem Berliner Bode-Museum. Auch da sind die Diebe nicht dilettantisch vorgegangen.    Ralf Roland


Niemeyer C. W. Buchverlage, www.niemeyer-buch.de, ISBN 978-3-8271-9535-7, 352 Seiten, 13,00 Euro