Kaminers Kreuzfahrten

Der Beruf hat den in Moskau geborenen Schriftsteller Wladimir Kaminer auf Kreuzfahrtschiffe gebracht. Er wurde zu Lesungen eingeladen, die sich aber anstrengender als die an Land erwiesen: An Bord kann er seinen Zuhörern nicht ausweichen. Kaminer nutzt die Begegnungen, beobachtet kritisch und schreibt mit dem ihm eigenen speziellen Humor das Erlebte auf. „Auf einer Kreuzfahrt sammelt man in zwei Wochen so viele Geschichten wie auf dem Festland in Monaten nicht,“ konstatiert er. So erfahren wir von amerikanischen Touristen, „die so fett waren, dass sie nicht einmal eine Kokosnuss spüren würden, wenn sie ihnen auf den Rücken fiele“, dass für Kaminers Mutter Kreuzfahrtschiffe „Futterschiffe für faule Touristen“ sind und von Russen, die in Kaminer bei jedem Ausflug den Landsmann entdecken und ihm Pelzprodukte verkaufen wollen. Im Grunde genommen gehört er aber mit seiner ihn stets begleitenden Frau Olga zu den Ausflugsmuffeln. Touristische Sehenswürdigkeiten, deretwegen viele andere extra Kreuzfahrten unternehmen, interessieren die beiden nicht vordergründig.

Der seit 1990 in Berlin lebende Wladimir Kaminer wurde mit seiner Erzählsammlung „Russendisko“ bekannt und zu einem beliebten Autor. In „Die Kreuzfahrer“ plaudert er locker ironisch vom ständig zunehmenden Tourismus auf den Weltmeeren. Kreuzfahrt-Fans werden Kaminers Buch mit Vergnügen lesen, wer allerdings noch nie über die Meere geschippert ist, für den dürfte das Buch keine Entscheidungshilfe sein. Denn ein PR-Autor ist Kaminer für die Kreuzfahrtreedereien, die ihn zu diesen Ausflügen kostenlos eingeladen hatten, nicht. Er bedient Klischees, die Kreuzfahrten anhängen, aber heute weitgehend überholt sind. Er wählt aus, was sich gut erzählt und gut lesen lässt – ob es stimmt, ist zweitrangig. Wer eine „Queen of the Seas“ sucht, den gigantischen, lauten Shoppingtempel, mit dem Kaminer von Teneriffa nach Miami zusammen mit 5000 Amerikanern unterwegs war, wird die vergebens suchen. Und dass Scouts auf den Aida-Schiffen mit den Passagieren an der Bar hocken und hier für Ausflüge werben, mag Kaminer durchaus erlebt haben –  was aber wahrscheinlich seinem Promi-Status an Bord zu verdanken sein dürfte. Kaminer hat ausgesucht, was sich zu Anekdötchen verarbeiten lässt. Und die lesen sich in dem leichten, plätschernden Kaminer-Schreibstil bestens.   B. W.


Wunderraum Verlag, www.wunderraum-verlag.de, ISBN 978-3-336-54798-2, 224 Seiten, 20,00 Euro