Kaiserbäder-Spaziergänge

„Wo der Kaiser Urlaub machte …“. Das behaupten die drei östlichsten Usedomer Seebäder. Elke Pupke räumt in ihrem Buch „Spaziergänge durch die Usedomer Kaiserbäder Ahlbeck-Heringsdorf-Bansin“ mit dieser Legende auf. Kein deutscher Kaiser hat je auf Usedom Urlaub gemacht! Wilhelm II. reiste 25 Jahre lang, bis zum Sommer 1914, nach Norwegen. Ende August jedoch besuchte Seine Majestät regelmäßig das Flottenmanöver in Swinemünde, auch Kaisertage genannt. Von dort fuhr er mit der Kutsche und später mit dem Auto nach Heringsdorf, um in der Villa Miramar (heute Villa Staudt) mit der verwitweten Konsulgattin Elisabeth Staudt Tee zu trinken. Die Teenachmittage fanden von 1895 bis 1914 statt, schreibt Autorin Pupke. Frau Staudts Enkel Guillermo meint, die beiden haben sich von 1909 bis 1912 getroffen. Den Touristen unserer Tage interessiert herzlich wenig, ob Frau Pupke oder Herr Staudt recht haben. Der möchte gern mehr zu dem Gerücht wissen, ob zwischen Seiner Majestät und der eleganten Dame mehr war als Teetrinken. Darauf gibt das Buch keine Antwort, aber von Enkel Staudt ist zu erfahren, seine Großmutter hätte „wahrscheinlich nichts dagegen gehabt seine Geliebte zu werden …“, aber „… wenn hier etwas derartiges vorgelegen hätte, wäre es den Historikern des letzten deutschen Monarchen nicht entgangen.“

Der Leser erhält auch Informationen zu den drei Seebrücken. Die Heringsdorfer haben wahrlich eine schöne 508 Meter lange und es gar nicht nötig, sie ständig als die längste Kontinentaleuropas anzupreisen. Auch die Autorin schließt sich dieser Behauptung an. Aber die längste in Kontinentaleuropa ragt im polnischen Sopot 511,5 Meter in die Ostsee hinaus. Kontinentaleuropa deshalb, weil es in Großbritannien wesentlich längere Brücken gibt, so die in Southend-on-Sea mit 2158 Meter. Damit der Leser das im Buch erwähnte Muschelmuseum im Landgebäude der Heringsdorfer Seebrücke nicht vergebens sucht: Das hat schon seit rund zehn Jahren dauerhaft geschlossen! Erfreulich, dass die Autorin das in der Region seit jeher übliche Wort Rohr verwendet und sich nicht, wie viele andere, das vielfach im Westen übliche Reet hat überstülpen lassen. Damit leistet Elke Pupke einen Beitrag zum Erhalt der regionalen sprachlichen Eigenständigkeit.

Fazit: Wer einmal in den Usedomer Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf oder Bansin weilte, wird wohl immer wieder gern dorthin reisen. Und irgendwann dürfte der Wunsch aufkommen, mehr zu erfahren, beispielsweise über die Geschichte des Hotels Ahlbecker Hof oder warum Heringsdorf einen Kopfbahnhof hat. Das Buch ist eine interessante Lektüre, weil Elke Pupke vieles zu erzählen weiß.   Bernd Wurlitzer


Hinstorff Verlag, www.hinstorff.de, ISBN 978-3-356-02232-2,  204 Seiten, 22,00 Euro