Goethes Weimar

Das kleine Weimar mit seinen gerade mal 65 000 Einwohnern wurde zu einer modernen, lebendigen Kulturstadt. Kaum eine andere bietet auf engstem Raum so viel Kultur und so viele Sehenswürdigkeiten.  Fast alle hat Walter Raabe in dem Reiseführer „Spaziergänge durch Goethes Weimar“ zusammengetragen. Auf fünf Spaziergängen führt er durch die Stadt und die Umgebung, die keinesfalls nur Goethe und Schiller Erinnerungsstätten zu bieten haben. So erfährt der Leser, wo Goethe seiner späteren Frau Christiane Vulpius zum ersten mal begegnet ist, aber auch, wo der junge Maler Max Liebermann wohnte und der damals schon bekannte Deutschamerikaner Lyonel Feininger, einer der Meister des in Weimar gegründeten Bauhauses und warum eine von der Jakobstraße abzweigende kleine Gasse nach dem großen Reformator Luther benannt wurde.

Etwas zu kurz kommt das legendäre Hotel Elephant am Markt weg, dem Heinrich Mann mit seinem Roman „Lotte in Weimar“ ein literarisches Denkmal setzte. Der Leser erfährt nicht, dass das heutige Haus mit dem berühmen Gasthof der Goethezeit nichts mehr zu tun hat. 1937 ließ ihn Hitler mit zwei Nachbarhäusern abreißen und nach seinem Geschmack einen Neubau errichten, der den alten Namen weiterführte. Völlig vergessen wurde in dem Buch das Hafis-Goethe-Denkmal, das am Rand des Beethovenplatzes steht.  Es ist nicht irgendein Denkmal, immerhin weihten es im Jahr 2000 der damalige Staatspräsident des Iran und der deutsche Bundespräsident ein.

Die Auswahl an Reiseführern über Weimar ist groß. Der von Walter Raabe, ausgestattet auch mit historischen Fotos, rangiert in der Liste ganz weit vorn. 1990 lag das Buch in der 1. Auflage vor, jetzt ist eine neue, aktualisierte Auflage erschienen.   Bernd Wurlitzer


Wallstein Verlag, www.wallstein-verlag.de, ISBN 978-3-8353-1800-7, 240 Seiten, 16,90 Euro