Fettnäpfchenführer

 

 

 

 

 

 

 

Rasch kann man in einem anderen Land ins Fettnäpfchen treten und sich so als unwissender Ausländer outen, in Frankreich beispielsweise, wenn man beim Begrüßungsküsschen schmatzt und nicht weiß, wie oft man sich eigentlich küsst. Und in Russland, wenn man den Zebrastreifen nicht nur als Straßenschmuck betrachtet. Nicht wenige möchten offensichtlich blamagefrei durch die Welt reisen: Denn der Fettnäpfchenführer zu Frankreich liegt jetzt bereits in der 6. und der zu Russland in der 4. Auflage vor.

In amüsanter Weise schildern die Autorinnen Bettina Boucu und Johanna Links (Frankreich) sowie Veronika Wengert (Russland), wie sich viele Deutsche in diesen Ländern daneben benehmen – weil sie es nicht besser wissen oder weil sie die Sicht der Deutschen auf die Dinge als die einzig richtige betrachten. In beiden Büchern erfährt man, wie Franzosen und Russen ticken, deren Mentalität, Gewohnheiten und Eigenheiten. Aber man lernt auch etliches über das jeweilige Land. Die Benimmregeln sind in kurzweilige Geschichten verpackt. Im Frankreichband ist es die Austauschstudentin Paula, die bei einer französischen Familie weilt, während ihre Eltern und ihr Bruder Urlaub in der Bretagne machen. Und im Russlandband heißt der Protagonist Paul Müller, der beruflich in Moskau weilt und es gut hat, weil seine russische Assistentin Natascha versucht, manche Peinlichkeit zu verhindern. Nach jeder Story, 46 im Frankreich- und 39 im Russlandband, analysieren die Autoren „Was ist diesmal schiefgelaufen?“ und „Was können Sie besser machen?“

Die Fettnäpfchenführer sind Knigge, Roman und Reiseführer in einem. Es ist: „Die Buchreihe, die sich auf vergnügliche Art dem Minenfeld der kulturellen Eigenheiten widmet“, so steht es auf dem Rückdeckel. Die Bücher lesen sich unterhaltsam. Wahrlich bedauerlich, dass sie in Buchhandlungen viel zu selten zu finden sind und wenn, dann fallen sie durch das kleingedruckte „Fettnäpfchenführer“ auf dem Buchrücken kaum auf.   –er


Conbook Medien GmbH, www.conbook-verlag.de, 256–320 Seiten, 12,95 Euro