Ein Tagebuch von 1792

1792 zogen Preußen und Österreich gegen das revolutionäre Frankreich in den Krieg. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach war dabei, er befehligte das 6. Preußische Kürassierregiment, sein Freund Goethe musste ihn begleiten. Jetzt liegen die tagebuchähnlichen Aufzeichnungen des Feldzugs als Buch vor. Der Titel: „Meine Erfahrungen in dem gegenwärtigen Kriege“. Notiert hat die damaligen schrecklichen Ereignisse Johann Conrad Wagner, der „Cämmerier“ des Herzogs, der die Feldkasse des fast 40 Mann starken herzoglichen Leibtrosses verwaltete. „Er hat Herz und Mitgefühl, er hat Witz und eine gute Beobachtungsgabe“, schreibt der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt in seiner Einführung. Festgehalten wurde das Geschehen von Wagner während des Feldzuges und unmittelbar danach, der erste Eintrag stammt vom 28. März 1792, der letzte vom 2. März 1794.

Die umfangreichen Notizen haben die Zeit in zwei Exemplaren überdauert. Sie werden im Goethe- und-Schiller-Archiv in Weimar aufbewahrt, digitalisiert sind sie über die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar zugänglich. Goethe war wohl der erste, der sie nutzte. Sie dienten ihm rund drei Jahrzehnte später als historische  Quelle für seinen autobiographischen Bericht „Campagne in Frankreich 1792“. Edith Zehm, die sich seit Jahrzehnten mit Deutschlands Dichterfürst beschäftigt,  hat Wagners Aufzeichnungen zeitaufwändig sorgfältig kommentiert und reich bebildert. Es wurde ein Buch, das historisch Interessierte begeistern dürfte.   Ralf Roland


Wallstein Verlag, www.wallstein-verlag.de,  ISBN 978-3-8353-3356-7, 552 Seiten, 59,90 Euro