Ein Lehrer auf Weltreise

Der Hamburger Lehrer Jan Kammann ist ein Jahr lang um die Welt gereist. Kammann unterrichtet Englisch und Geografie in einer internationalen Vorbereitungsklasse an einer Europaschule. Vor ihm sitzen 30 Schüler aus der ganzen Welt, sie stammen aus 22 Nationen und 14 Ländern. Sie sprechen kein oder nur wenig Deutsch und sollen in einem Jahr soviel lernen, dass sie danach in eine Klasse wechseln können, die ihrem Alter entspricht. Die Herkunftsländer und die Geschichte der Schüler wecken das Interesse des Lehrers. Sie kommen aus Familien, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, von anderen wurden die Eltern von ihren Arbeitgebern nach Deutschland versetzt. Kammann möchte die Wurzeln seiner Schüler kennenlernen und er beschließt, ein Sabbatjahr zu nehmen und auf Reisen zu gehen. Nach Kuba und Nicaragua, nach Italien und Bulgarien, dem Kosovo, Armenien, Iran und Ghana. In insgesamt 14 Ländern schaut er sich um, aus denen seine Schüler stammen. Er möchte viel erfahren, viel kennenlernen. Im Gepäck hat er kleine, von seinen Schülern gebastelte Sprachführer, wie auch die individuellen Reiseführer.

Jan Kammann reist los mit den Bildern im Kopf, die ihm die deutschen Medien eingepflanzt haben, doch vor Ort sieht es vielfach anders aus. Er lernt abseits von touristischen Wegen, sofern es die überhaupt gibt, den Alltag kennen. Der Autor spricht von großen Überraschungen, so im Kosovo und im Iran, „dort waren die Menschen so unglaublich herzlich und gastfreundlich, wie ich das nicht erwartet hatte.“ Er kann nacherleben, was seine Schüler ihm tagtäglich in der Schule erzählt haben. Der Lehrer wird zum Schüler.

Das kurzweilig geschriebene Buch liest sich flüssig und vor allem: Es passt in die aktuelle Zeit, in der wir in Deutschland tagtäglich von Menschen aus anderen Ländern umgeben sind. Jan Kammann erfuhr viel über die Herkunft seiner Schüler, über die Länder, die bis vor Kurzem deren Heimat war. Er lernte dort die Menschen kennen, deren Freuden und Nöte, besser als jeder Pauschaltourist. Die Begegnungen hätten seinen Blick auf die Welt verändert, sagte Jan Kammann in einem Gespräch. Ein gewiss für viele von uns bereicherndes Buch, das Anregung sein dürfte, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen oder gar es dem Autor gleich zu tun, auf Reisen zu gehen. Es muss ja nicht gleich so eine Riesentour sein wie die von Kammann.     Ralf Roland


Malik Verlag, www.malik.de, ISBN 978-3-89029-500-8, 304 Seiten, 18,00 Euro