Der gar nicht lustige Alltag eines Kellners

Manchem Gast mag Olli Riek mit seinem Buch „Ist das Gemüse auch vegan?“ den Spiegel vor´s Gesicht halten. Denn der Kellner (offizielle Berufsbezeichnung: Restaurantfachmann) hat sich die Anekdoten nicht etwa ausgedacht – er hat seine amüsantesten, selbst erlebten Restaurant-Erlebnisse aufgeschrieben und liefert so einen interessanten Einblick in seinen Beruf. Etliches von dem, das wir lesen, ist zum Fremdschämen, aber lustig und unterhaltsam ist es allemal. Wie die vielfach schon geschilderte Geschichte: Morgen können wir keinen Tisch reservieren, bekommt der Anrufer am Telefon gesagt, weil Ruhetag sei. Der beteuert daraufhin: „Das ist ok, wir sind ganz leise.“ In der Gastronomie und Hotellerie ist es wie beim Fußballspielen, wo auch jeder meint, er habe die besten Ratschläge, nur weil er schon mehrmals mit den Fuß an einen Ball geschlagen hat. Tisch decken, Essen tragen . . . Und dafür auch noch bezahlen, wo man das doch selbst machen könnte! Oft genug ist zu hören und lesen, der Gast sei im Restaurant und im Hotel der König. Mancher spielt sich auch so auf, indem er sich wie Graf Koks benimmt. Sie rufen „Ey“ und „Hallo“, sie pfeifen und klatschen und laufen zum Tresen, um sich dort zwei Bier zu nehmen, weil die Bedienung angeblich nicht schnell genug ist. Dennoch beteuert Olli Riek: „Ich bin Kellner aus Leidenschaft“.

Sieht der Berufsalltag eines Kellners wirklich so aus, wie ihn uns Olli Riek schildert? Mitnichten! Was der Autor schildert „ist die Spitze des Eisbergs“, wie er einräumt und das sind seiner Schätzung nach nur ein Prozent der Gäste. Man stelle sich vor, dieses eine Prozent an kuriosen Gästetypen würde es nicht geben. Das wäre ein Jammer. Denn dann hätten wir auf dieses humorvolle Buch verzichten müssen. Und was ist mit dem unfreundlichen Kellner, den es auch geben soll? Der steht in diesem Buch nicht zur Debatte.   Ralf Roland


Acabus Verlag, www.acabus-verlag.de, ISBN 978-3-86282-602-5,  272 Seiten, 15,00 Euro