Der falsche Amerikaner

1978 zieht der DDR-Bürger Albrecht Dittrich von Jena nach Amerika, dort wird er zum Amerikaner Jack Barsky, der für den sowjetischen Geheimdienst KGB spioniert. In den USA hat Barsky Frau und Kind, Frau und Kind gibt es aber auch in der DDR. Über Moskau reist er alle zwei Jahre dorthin, um sie zu besuchen. 1988 widersetzt  sich der Spion dem Befehl des KGB, unverzüglich die Staaten zu verlassen, denn er sei in Gefahr. Er ignoriert den Moskauer Befehl per verschlüsseltem Funk und auch den roten Punkt an einem Metallträger der Hochbahn an der Hudson Street in New York. Alle Unterlagen und das Kurzwellengerät versenkt er im East River.

Als der Kalte Krieg endet bleibt Jack Barsky in den USA. Fast zehn Jahre geht das gut, doch dann gerät er ins Visier des FBI. Ein russischer Überläufer hat seinen Namen verraten. Special Agent Joe Reilly von der Spionageabwehr setzt sich auf seine Spur, lässt Barskys Wohnung verwanzen. Im Mai 1997 wird er als vermutlich letzter KGB-Agent in den USA enttarnt. Nach 6794 Tagen endet damit sein Doppelleben. 2014 erhält der einstige DDR-Bürger Albrecht Dittrich endlich die US-Staatsbürgerschaft, das FBI besorgt ihm echte Papiere, ausgestellt auf den falschen Namen Jack Barsky. Heute führt der Mann aus der Oberlausitz, der einstige Chemiestudent in Jena und Empfänger des Karl-Marx-Stipendiums, das für herausragende Leistungen an ideologisch linientreue Studenten vergeben wurde, ein bürgerliches Vorstadtleben. Nachzulesen ist das alles in seiner Autobiographie „Der falscher Amerikaner. Ein Doppelleben als deutscher KGB-Spion in den USA“, die er im Alter von 68 Jahren mit Unterstützung von Cindy Coloma geschrieben hat.    B. W.


SCM Hänssler, www.scm-haenssler.de, ISBN 978-3-7751-5826-8, 216 Seiten, 19,95 Euro