13 Menschen und Macher in Vorpommern

Vorpommern mit den Inseln Rügen und Usedom gehört zu den landschaftlich reizvollsten Regionen Deutschlands, es ist aber auch eine, in der Visionäre Beeindruckendes geschaffen haben. Lutz Herde lässt 13 von ihnen in dem Buch „Vorpommern – Von Menschen und Machern am Meer“ zu Wort kommen. Sie sagen, was sie nach Vorpommern geführt hat, warum sie hier geblieben sind, was sie besonders mögen. Die zahlreichen Fotos tragen dazu bei, Interesse zu wecken.

Seebrücken, Villen im Stil der Bäderarchitektur, weiße Kreidefelsen, Schlösser und Gutshäuser – „Das sind die Bilder, die vielen Menschen sofort einfallen, wenn sie an Vorpommern … denken.“ Das meint der Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern im Vorwort des Buches. Wenn es nur so wäre! Noch fragen viel zu viele, vor allem im westlichen Teil Deutschlands: Vorpommern, bitte, wo liegt das? Das Buch soll die östlichste Ecke Deutschlands als attraktiven Arbeitsplatz wahrnehmbar machen. Nicht nur die landschaftlichen Schönheiten kommen zur Sprache, von den porträtierten Menschen erfährt man viel von Lebensqualität und von wirtschaftlicher Attraktivität, weil sie in Vorpommern ihre Träume realisieren konnten. Das Land liegt am Meer, Schwerpunkt des Buches bilden logischerweise Marinas, der Bootsbau und der Wassertourismus. Wie Till Jauch, der die Bucht des Greifwalder Boddens in Lauterbach mit seinen schwimmenden Ferienhäusern veränderte. Er schuf etwas, das es in Deutschland bis dahin noch nicht gab. Zu Wort kommt auch Philipp Bruns, dem die mit 28 Metern längste Fischtheke Rügens im Sassnitzer Hafen gehört. „Doch nicht das Superlativ ist die Sensation,“ ist im Buch zu lesen, „sondern das grandiose Angebot: krosse Dorschbuletten, frische Flundern, Spezialitäten aus heißem und kaltem Rauch, hausgemachte Marinade und Salate – das Beste, was Rügens Fischer zu bieten haben.“  R. Roland


Hinstorff Verlag, www.hinstorff.de, ISBN 978-3-356-02240-7, 120 Seiten, 20,00 Euro

Ikone der Linken: Sarah Wagenknecht

Oft wird Sarah Wagenknecht als „die beliebteste Rote Deutschlands“ bezeichnet. Michel Friedmann sprach von „einer der intelligentesten Politikerinnen Deutschlands“ und die Bild-Zeitung nannte sie „die schöne Sahra“. In Vorträgen, im Bundestag und in Fernsehtalkshows, zu deren begehrtesten Gästen sie gehört, beeindruckt die Ikone der Linkspartei mit ihren klaren ökonomischen Analysen und ihrem Detailwissen sogar ihre Gegner. In dem Buch „Sarah Wagenknecht – Von links bis heute“ wird ihr politischer Werdegang beschrieben, wie sie zu einer der Spitzenpolitikerinnen wurde. Die Ostdeutsche Wagenknecht, die dem Untergang der DDR nachtrauerte, begann ihre politische Karriere nach der Einheit und ihr Bemühen ist, den untergegangenen „ersten Sozialismus“ ein zweites Mal auf deutschem Boden umzusetzen. „Ich würde nicht gern den Rest meines Lebens in der bestehenden Gesellschaft verbringen … Ja, ich will den Sozialismus schon noch selbst erleben,“ sagt die  allseitig respektierte Frau. Autor David Goeßmann schreibt über die Leistungen und Fähigkeiten Wagenknechts, über Spannungsverhältnisse, aber auch über Ansichten der Politikerin zur Flüchtlings- und Asylpolitik, er analysiert auch die problematischen Seiten ihres Politik- und Wirtschaftsverständnisses. 2012 hat Wagenknecht mit einer Arbeit über das Verhältnis von Einkommen und Rücklagen promoviert. Schon lange gehört die (Noch-) Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag zu den bekanntesten und geachtetsten Politikerinnen.

Auseinandergesetzt mit Sarah Wagenknechts Denken und Tun hat sich David Goeßmann. Doch zum Autor des Buches wird leider kein Satz gesagt. David Goeßmann, der in Berlin Germanistik und Philosophie studierte, ist freier Journalist, u. a. auch als Autor und Produzent für das unabhängige Nachrichtenmagazins kontext TV tätig (www.kontext-tv.de), das von verschiedenen lokalen Radio- und Fernsehstationen ausgestrahlt wird.   -er


Das Neue Berlin, www.eulenspiegel.com, ISBN 978-3-01349-1,  192 Seiten, 12,00 Euro

Camping mit Bettina Tietjen

Camping war nie meins. Aber bekanntlich sollte man nie Nie sagen. Bettina Tietjens ist dabei, uns mit ihrem Buch umzustimmen. Bislang sind wir Kreuzfahrtfans und was wohl jeden überraschen dürfte: Wir haben Gemeinsamkeiten mit dem Camping festgestellt, die es uns sicherlich leicht machen, das neue Hobby zumindest auszuprobieren. Nicht als Zeltler möchten wir auf Reisen gehen, aber mit einem Wohnmobil durch Europa kutschieren. Das könnten wir uns vorstellen. Das Kreuzfahrtschiff bringt uns auch rasch von A nach B und wie Tietjens mit ihrem Wohnmobil, haben auch wir auf dem Kreuzfahrtschiff  das Zimmer, sprich Kabine, samt Betten immer dabei. Die bekannte Fernsehmoderatorin schwärmt von der Entspannung im Klappstuhl – von der Ostsee bis zum Mittelmeer. „Hauptsache der Wind ruckelt schön. . . .“ So steht es auf dem hinteren Deckel ihres Buches. Der Unterschied zu uns: Der Klappstuhl von Bettina Tietjen steht vor ihrem Wohnmobil, unserer auf dem Kabinenbalkon des Kreuzfahrtschiffes. Bei uns bestimmt die Reederei die Route, daran kann nicht gerüttelt werden. Die Camper, also Tietjens, können flexibel sein. Wenn ihnen ein Zeltplatz nicht zusagt, lassen sie ihn kurzerhand links liegen oder fahren weiter. Das ist Freiheit pur!

Bettina Tietjen erzählt kurzweilig Erlebnisse aus mehreren Jahrzehnten. Wer versuchen möchte, persönlich noch weitere zu hören, der fahre Pfingsten nach Dänemark. Dort sind Tietjens jedes Jahr mit einer Schar von Freunden, aber auf welchem Platz, das bleibt das Geheimnis der Autorin. Er liegt an der Steilküste, soviel hat sie verraten. Und auch, dass Korsika ihre Lieblingsinsel ist, auf der sie jedes zweite Jahr mit dem Wohnmobil urlaubt. Wer seit Jahrzehnten mit dem fahrenden Hotelzimmer reist, verfügt über reichlich Erfahrung. Etliche Tipps gibt Bettina Tietjen in dem Buch an „Neucamper“ weiter wie: „Meiden Sie Stellplätze, auf denen aufblasbare Gummitiere, Bobbycars und anderes Plastikzeug herumliegen. Alles Anzeichen für kurze Nächte und frühmorgendliche Ruhestörung oder: „Sollten Sie noch in dem Alter sein, in dem man ständig Sex haben muss, suchen Sie sich, wenn möglich, ein abgelegenes Plätzchen. Wenn Sie keins finden, tun Sie´s bei geschlossenen Fenstern“, wenn Sie am Morgen nicht von allen benachbarten Campern neugierig angegafft werden möchten. Bettina Tietjens Buch, immerhin schon die 4. Auflage,  war eine kurzweilige Urlaubslektüre, die ich im Klappstuhl gelesen habe, auf unserem Kreuzfahrtschiff-Kabinenbalkon. Demnächst sitze ich vielleicht lesend vor einem Wohnmobil.  Bernd Wurlitzer


Piper, www.piper.de, ISBN 978-3-492-06100-1, 272 Seiten, 16,00 Euro