Bordgeschichten

Die 17. Ausgabe der „Bordgeschichten“ liegt vor, das Jahrbuch des DSR-Seeleute-Vereins. Ehemalige Fahrensleute erzählen 38 Geschichten und halten so die Erinnerung an die DDR-Handelsschiffahrt wach, die 1990 jäh endete. Kapitäne, Matrosen, Stewardessen und Funker berichten von ihrer Arbeit und Freizeiterlebnissen auf Schiffen, die es nicht mehr gibt. Sie berichten aus einer Zeit, die mit ihren vielfältigen Nuancen in den „Bordgeschichten“ lebendig bleibt. Die breitgefächerte Themenauswahl in den Büchern verspricht eine spannende Lektüre, die auch jene anspricht, die mit der Seefahrt nur indirekten Kontakt hatten. So schreibt Günter Weise in der Ausgabe 2019, wie mit ihm 18 Affen nach Berlin gereist sind und Ellen Knaack, warum sie mit einem Azubi in Vietnam Blut spendete.

Die Bordgeschichten besitzen in ihrer Form ein Alleinstellungsmerkmal, schreibt Friedrich Seibicke von der Redaktion, der an der Seefahrtschule Wustrow den Abschluss als Ingenieur für Seefunk erwarb und 15 Jahre zur See gefahren ist. Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Buchmarkt, weder von Mitarbeitern aus der Landwirtschaft, der Industrie oder Verwaltungen geschrieben. Die Auflage ist begrenzt, das Interesse aber offensichtlich groß, denn einige vergriffene Ausgaben wurden nachgedruckt. Anerkennung verdienen alle ehrenamtlichen ehemaligen Seeleute wie Friedrich Seibicke als verantwortlicher Redakteur oder Stefan Thiem, der die Bücher versendet.

Die Arbeiten an der 18. Ausgabe der Bordgeschichten haben begonnen, so Friedrich Seibicke. Er hat verraten, dass in dieser, kommenden Juni erscheinenden Ausgabe XVIII. der Berliner Journalist Bernd Wurlitzer über seine Reisen auf der „Schwarza“ und der „Eilenburg“ berichten wird. Seine Schilderungen über das Leben an Bord und was er an Land sah, erschienen in den 1980-Jahren in vielen DDR-Zeitungen, oft als Fortsetzungsreportagen. In „Bordgeschichten“ wird Wurlitzer unter der Überschrift „Passagierreisen mit Hindernissen“ schreiben, wie problematisch es war, die Mitfahrgenehmigung zu erhalten und warum seine Serie „Auf anderen Straßen“ in der Zeitschrift  „Der deutsche Straßenverkehr“  eingestellt werden musste. Warum er nach der zweiten Schiffsreise keinen Antrag mehr einreichen durfte, erfuhr Wurlitzer erst nach Einsicht in seine Stasi-Akten.

Nach 17 Ausgaben könnten die „Bordgeschichten“ einen kleinen Layout-Relaunch durchaus vertragen. Den Büchern würde es gut anstehen, wenn die Überschriften beispielsweise einen Grad größer gesetzt würden, wenn man eventuell neben der gegenwärtigen Arial-Schrift eine zweite Schrift einsetzen würde und wenn alle Fotos eine Bildunterschrift bekommen würden. Vielleicht entschließt man sich auch zu einer ISDN-Nummer. Die Kosten dafür gleichen die dadurch möglichen Ausschüttungen der VG Wort aus. Vor allem aber würden so viel mehr von den “Bordgeschichten“ erfahren, die nicht nur für ehemalige DSR-Seeleute eine interessante Lektüre darstellen. Abwertend klingt, wenn „Voll voraus“ die Zeitschrift des Vereins „Seeleute Rostock e. V.“, die Bordgeschichten als Broschüren bezeichnet.   Ralf Roland


Bordgeschichten XVII, 160 Seiten mit vielen Abbildungen, 13,00 Mark zzgl. Porto, erhältlich gegen Vorauskasse über  www.seeleute.de