Abgeschminkt

Mehr als zehn Jahre tourte Ilka Bessin aus Luckenwalde  als „Cindy aus Marzahn“ durch die Lande. Sie war wohl eine der schillernsten Figuren in der Unterhaltungsbranche. Nach dem Schulabschluss machte Ilka Bessin eine Ausbildung zur Köchin, 1990 – im Jahr der deutschen Einheit – verlor sie ihren Job und versuchte dieses und jenes. Bis vier Jahre Arbeitslosigkeit kamen. “Tagelang verließ ich meine Wohnung nicht“, schreibt sie, „hatte keinen Bock mehr, auf nichts und niemanden.“ Sie entwickelte die Bühnenfigur der „Cindy aus Marzahn“, einer Langzeitarbeitslosen aus dem Ostberliner Stadtteil Marzahn, die sarkastisch von ihrem Verlierer-Alltag erzählte. Der pinkfarbene Jogginganzug und die Wuschelperücke wurden ihr Markenzeichen. Seit 2016 gibt es die „Cindy aus Marzahn“ nicht mehr, Ilka Bessin hat damit Schluss gemacht. Aber ihr Platz auf den Bühnen soll nicht leer bleiben, unlängst meldete sie sich zurück, aber vielleicht etwas voreilig. Alle für die nächsten Monate angekündigten Auftritte wurden kurzfristig abgesagt, jetzt will sie Ende 2019 mit einem neuen Programm starten, „diesmal abgeschminkt. Ohne schrille Klamotte“. Ihr Leben hat Ilka Bessin erzählt, aufgeschrieben hat es Sabine Jürgens. „Abgeschminkt“ heißt der Titel und weil der Name Ilka Bessin vielen nichts sagen dürfte, steht erklärend auf dem Cover: „Die Frau, die Cindy aus Marzahn war“ und erläuternd: „Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede“. Vielleicht kann Ilka Bessin manch anderem Mut machen.     Bewu


Wilhelm Heyne Verlag,  www.heyne.de, ISBN 978-3-453-20716-5, 288 Seiten, 15,00 Euro