900 Jahre Zwickau – spannende Geschichtsdetails

Erstmals wird Zwickau im Jahr 1118 in einer von  Bischof Dietrich I. von Naumburg ausgestellten Urkunde als “territorio Zcwickaw” erwähnt. Damit steht fest: Im Jahr 2018 begeht die Stadt ihr 900-jähriges Jubiläum. 1548 äußerte der Luther-Mitstreiter Philipp Melanchthon – gewiss etwas überschwänglich: “In Kunst und Wissenschaft übertrifft Zwickau alle Städte dieser Lande.“ Zwickau, bekannt als Stadt der Steinkohle und der Autoproduktion, ist auch die Geburtsstadt des Komponisten Robert Schumann, des Malers und Grafikers Max Pechstein und der Schauspiel-Größe Gert Fröbe. Manche Eintragung in der Stadtchronik besitzt überregionale Bedeutung, so die von 1991: „Am 30. April läuft im Sachsenringwerk der letzte Pkw Trabant vom Montageband.“ Pünktlich zum Stadtjubiläum hat Autor Norbert Peschke einen Bildband vorgelegt, der einen lebendigen Eindruck von Alltag und Entwicklung der westsächsischen Stadt gibt. Peschke hat umfangreich gesammelt und ausgesucht, rund 200 Bilder aus Zwickau präsentiert er uns. Für Gäste, aber wohl vor allem für Einheimische, sind das spannende Erinnerungen bzw. Begegnungen.

Spannend ist auch das Buch von Peter Kalbe, der mit einem Detail der jüngeren Stadtgeschichte bekannt macht, dem Zwickauer Nahverkehr, dessen Geburtsstunde am 6. Mai 1894 schlug, als die erste Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Hauptmarkt rollte. Der Linienbetrieb mit Autobussen begann 1912 nach Oberplanitz, Reinsdorf und Wildenfels. Wohl jeder Zwickauer der älteren Generation hat viele der von Kalbe vorgestellten Straßenbahnen, Kraftomnibusse und vielleicht auch die strombetriebenen Oberleitungsbusse kennengelernt. Es ist ein freudiges Wiedersehen, so mit der Obus-Linie, die zwischen Weißenborn und Stenn fuhr und 32 Haltestellen bediente. Der Obus-Verkehr endete 1977 nach fast 39 Jahren, bei den Straßenbahnen wurde die Linie Hauptbahnhof-Wilkau/Haßlau im Jahr 1975 eingestellt, die Linie Pölbitz-Krankenhaus überstand alle Schwierigkeiten, in den 1990er Jahren kam u. a. die Linie Neuplanitz–Eckersbach dazu. Das Buch stellt die Geschichte und die Wagentypen vor, also die Hardware. Leider erfährt man nichts über volle Straßenbahnen, die – beispielsweise am Mittwoch und am Sonntag Nachmittag, den damaligen Krankenhaus-Besuchstagen in den 1940er und 1950er Jahren– ohne Halt durch die Marienthaler Haltestellen sausten. Man erfährt nichts über Ausfälle in strengen Wintern, über die Ausfälle bei der schlimmen Hochwasserkatastrophe 1954, kaum etwas über Ersatzteilprobleme. Das hat leider niemand aufgeschrieben und deshalb konnte es uns Autor Peter Kalbe nicht mitteilen. Das bedauert der Zwickauer Bernd Wurlitzer.


900 Jahre Zwickau, Bilder einer Stadt, Sutton Verlag GmbH, www.suttonverlag.de, ISBN 978-3-95400-777-6, 154 Seiten, 25 Euro
Nahverkehr in Zwickau, Straßenbahn, O-Bus und Omnibus in historischen Bildern, Sutton Verlag GmbH, www.suttonverlag.de, ISBN 978-3-95400-713-4, 122 Seiten, 20 Euro