Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls

Der Bahnhof Friedrichstraße in Berlin war seit dem Mauerbau 1991 Grenzübergangsstelle. Hier kam es zu tränenreichen Abschiedsszenen, deshalb nannte man die angebaute Abfertigungshalle den „Tränenpalast“.  Der Bahnhof lag im Osten – damals korrekt: in der Hauptstadt der DDR – , war aber dennoch Teil des West-Berliner Nachverkehrssystems. Er war Schauplatz von Fluchtversuchen, er war auch „Agentenschleuse“ für Spione – er war eben ein ungewöhnlicher Bahnhof.


„Bahnhof der Tränen“ von Philipp Springer, Chr. Links Verlag, www.christoph-links-verlag.de, 224 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-86153-719-9


Der gelernte Dachdecker, bis zuletzt ein vielfach unbeholfen wirkender Mensch, war offensichtlich mit der Leitung des Staates überfordert. Diese Erkenntnis ist 25 Jahre nach dem Mauerfall nicht neu. Neu ist vermutlich, dass Honecker kaum Alkohol trank, von seiner Frau Margot getrennt schlief, ungern flog und immer stärker glaubte, was die DDR-Medien über ihn berichteten.  Von zwei Menschen, die nahezu rund um die Uhr mit dem mächtigsten Mann der DDR zusammen waren, erfahren wir mehr über das abgeschottete  Leben der DDR-Oberen. Der eine, Lothar Herzog, war quasi der Butler, denn er hatte sich um das Wohl des mächtigsten Mannes der DDR zu kümmern und der andere, Bernd Brückner, war 13 Jahre lang sein Personenschützer. Beide stehen zu ihrer Tätigkeit und reihen sich nicht, wie unzählige andere, in die Schar der vermeintlichen Widerstandkämpfer ein. Zur politischen Verantwortung ihres Chefs wissen aber auch sie nichts zu sagen. Vermutlich, weil sich Honecker bis zuletzt keiner Schuld bewusst war. Das lag wohl mit daran, dass Hunderte dienstbeflissener Genossen das wahre Leben von ihrem Chef fernhielten. Im Sommer 1989 lag dieser krank im Bett. Damit er nicht erfuhr, dass in diesen Wochen Tausende DDR-Bürger ihr Land verließen, war angeordnet worden: Für die Genesung sei es wichtig, dass Honecker keine Zeitung, kein Radio, keinen Fernseher haben dürfe …


„An Honeckers Seite“ von Bernd Brückner, Das Neue Berlin, www.das-neue-berlin.de, 288 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-360-01853-3

„Honecker privat“ von Lothar Herzog, Eulenspiegel Verlagsgruppe, www.eulenspiegelverlag.de, 192 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-360-02143-4


West-Journalisten – und dazu gehörten in der Zeit des Kalten Krieges die aus der BRD – wurden auf Schritt und Tritt beobachtet. Sie waren Klassenfeinde. Beim Lesen von Dieter Bubs Erinnerungen erfährt man manches, das den meisten DDR-Bürgern verborgen blieb, aber im Nachhinein vieles erklärt. Etliches jedoch wirkt überzogen, für den Ex-DDR-Bürger unglaubhaft, aber bei den Landsleuten im Westen dürfte der Autor damit punkten. Wie auch mit dem wieder hervorgeholten angeblichen Honecker-Attentat 1983, das wahrlich nur unter „Story“ eingeordnet werden kann.


„Das Honecker-Attentat und andere Storys“ von Dieter Bub, Mitteldeutscher Verlag, www.mitteldeutscherverlag.de, 344 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-89812-942-8