Sechs Jahrzehnte bei den Mächtigen der Welt

Wolfgang Ghantus hat viele Mächtige dieser Welt kennengelernt. Er dolmetschte Jahrzehnte lang Gespräche für Erich Honecker und andere Politiker der DDR. Manches wird leider nur angedeutet, denn neben Sprachtalent gehört Diskretion zu den Markenzeichen dieses Berufsstandes. Ghantus erzählt sachlich-nüchtern, so, wie es wohl für einen Dolmetscher typisch ist. Bei einem guten Lektor hätte das Buch noch gewinnen können, denn es gibt etliche Unkorrektheiten, so beispielsweise: Das Politbüromitglied Werner Lamberz konnte nicht „im Schulterschluss mit Gorbatschow“ neue Wege für einen „wahrhaft demokratischen Sozialismus“ ebnen, weil Gorbatschow noch nicht einmal Kandidat des Politbüros war, als Lamberz 1978 tödlich verunglückte (S. 120), ein Ministerium „für Nahrungs- und Genussmittel“ hat es in der DDR nie gegeben (S. 158) und der Engländer Ron Hayward konnte 1973 nicht „persönlicher Gast des Staatsratsvorsitzenden Honecker“ gewesen sein, denn auf dem Stuhl saß seinerzeit Willi Stoph, den Honecker erst 1976 verdrängte.


Ein Diener vieler Herren, Militzke Verlag, Leipzig, www.militzke.de, ISBN 978-3-86189-846-7, 17,90 Euro