Regionen im Krimifieber

In welcher Region Deutschlands kann man sich noch sicher fühlen? Wer die Liste der Regionalkrimis durchforstet, wird rasch feststellen: Vom Norden bis zum Süden, also von Rügen bis zum Bodensee, wird gemordet. Sogar der stille Spreewald und die weithin unbekannte Stadt Cottbus haben ihre Toten und auch der Nationalpark Müritz im Mecklenburgischen. Zur Frankfurter Buchmesse 2012 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung eine Liste der „Dinge die wir nie mehr lesen, sehen, kaufen wollen“. An erster Stelle standen die Regionalkrimis. Das Resümee? Eine Welle der lokalen Krimis überschwemmt weiterhin den deutschen Markt. Sogar bei Wikipedia hat „Regionalkrimi“ als Schlagwort Einzug gehalten. Die Krimis bemühen sich, Verbundenheit zwischen Roman und Leser herzustellen. Wer in der beschriebenen Region lebt, liest die Bücher meist mit Vergnügen. Andere werden sie kaufen, weil sie im Spreewald schon auf dem Gurkenradweg radelten oder im Nationalpark Fischadler beobachteten, im Buch also bekannte Stellen wiederfinden. Touristiker und Hoteliers stehen den Regionalkrimis aufgeschlossen gegenüber, helfen sie doch mit, Regionen und Städte in unserem Land bekannt zu machen. Sie sind also eine kostenlose PR. Der fleißigste Regionalkrimi-Autor wird demnächst gewiss nicht von der Frankfurter Buchmesse geehrt, sondern von einemTouristenverband.


„Wer mordet schon in Cottbus und im Spreewald“ von Franziska Steinhauer, Gmeiner-Verlag, ISBN 978-3-8392-1583-8, 252 Seiten, 9,99 Euro

„Fische lügen nicht“ von Wolf S. Dietrich, Prolibris-Verlag, ISBN 978-3-935263-83-2, 232 Seiten, 12,00 Euro

„Obsessionen“ von Ull Eisel, BS-Verlag, ISBN 978-3-86785-215-9, 174 Seiten, 10,00 Euro

„Amokverdacht“ von Ull Eisel, BS-Verlag, ISBN 978-3-86785-250-0, 210 Seiten, 10,00 Euro

„Möwenfraß“ von Klara Holm, Rowohlt-Verlag, ISBN 978-3-499-26694-2, 318 Seiten, 9,99 Euro

„Goetheglut“ von Bernd Köstering, Gmeiner-Verlag, ISBN 978-3-8392-1181-6, 278 Seiten, 9,90 Euro