Ist das Schiff schon mal untergegangen?

Viele Kreuzfahrten haben sich in der letzten Zeit verändert, das Konservative wich einer ungezwungenen Atmosphäre. So begeistert das entspannte Leben an Bord von „Aida“ und „Mein Schiff“ ohne Abendgarderobe, ohne feste Tischzeiten und Sitzordnung im Restaurant jüngere Reisende und Familien. In wenigen Tagen kann man auf einem Schiff reisend mehrere Städte und Regionen kennenlernen, besser wohl flüchtige Einblicke nehmen, aber immerhin besser als gar nichts. Der Vorteil einer Kreuzfahrt: Die Schiffe sind schwimmende Hotels mit Vollpension, der Koffer muss nur einmal aus- und bei der Abreise wieder eingepackt werden. Diese Art, die Welt zu erkunden, fasziniert immer mehr Menschen. Im Vorjahr stachen fast zwei Millionen Deutsche in See. Manch einen mag die große Zahl der Passagiere von mehr als 2000 auf engem Raum erschrecken. Autor Andreas Lukoschik beruhigt, dass die Überraschung groß sei, weil die Verschreckten im Realitätstest feststellen, „dass sich diese vielen Menschen ´irgendwie´ verlaufen und gar nicht besonders auffallen.“

Lukoschik erzählt amüsante Erlebnisse und nette Geschichten, kurzweilig und komisch. Er hat sie selbst auf Kreuzfahrtschiffen erlebt, vernehmen wir oder man hat sie ihm berichtet. Für den, der das erste Mail eine Kreuzfahrt unternimmt, sind es nützliche Tipps. Man erfährt, dass die an Bord Arbeitenden die „Crew“ bilden und die Stockwerke des Schiffs „Deck“ genannt werden. Bei kreuzfahrterfahrenen Menschen wecken die Geschichten Erinnerungen. So denkt man vielleicht an das ferne Land, in dem man in ein Taxi stieg, ohne den Preis zu vereinbaren. Ein gravierender Fehler, denn beim Aussteigen sollte der vermeintlich „reiche Europäer“ arg zur Kasse gebeten werden.

Ist das Schiff schon mal untergegangen? Fragt Lukoschik. Das nicht, aber wenn die Tischdecken in den Restaurants angefeuchtet werden, damit das Geschirr nicht verrutscht und im Treppenhaus Tüten ausliegen, dann weiß der erfahrene Kreuzfahrer,  ein Sturm kündigt sich an, der für manchen einem Schiffsuntergang gleichkommt. Aber keine Angst: Bei Schiffen mit mehr als 100 Personen und bei Fahrten über mehr als drei Tage befindet sich ein Schiffsarzt an Bord. „Das neue Kreuzfahrt-ABC“ lautet der Untertitel von Lukoschiks Buch. Das erweckt vielleicht hier und dort eine falsche Erwartungshaltung. Eins ist das Buch aber gewiss: Eine nette Unterhaltung vor, während oder nach einer Kreuzfahrt!    B.W.


Kiepenheuer & Witsch, www.kiwi-verlag.de, ISDN 978-3-462-05023-3, 320 Seiten, 18 Euro