Immer schön auf Augenhöhe

Diese Bilder dürften vielen in Erinnerung geblieben sein:  Als Gesine Lötzsch im Jahr 2002 gemeinsam mit Petra Pau als direkt gewählte Abgeordnete in den Bundestag einzog, platzierte man beide demonstrativ in der äußersten Ecke ohne Tisch und Telefon. Heute ist sie Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages. Locker und leicht erzählt Gesine Lötzsch 94 persönliche Geschichten. Sie lässt den Leser hinter die Kulissen der Politik in unserem Land schauen. Manches davon regt zum Nachdenken an. So das Demokratieverständnis einiger Abgeordneter: Als Gesine Lötzsch als Vertreterin der größten Oppositionspartei 2017 nach dem Finanzminister ans Rednerpult trat, verließen die Hälfte der Bundesminister und Dutzende von CDU/CSU-Abgeordneten den Plenarsaal und die Kanzlerin drehte ihr demonstrativ den Rücken zu. Eine schöne Seite des Buches: Man erfährt viel von unzähligen Aktionen der Politikerin auf der Straße, die in den Medien kaum vorkommen.

Dem Buch fehlt allerdings eine Kurzbiographie der Autorin. Da vermutlich von zehn befragten Personen aus den westlichen Bundesländern neun Gesine Lötzsch nicht kennen, sei sie hier kurz nachgetragen: Die Wende führte die studierte Lehrerin in die Politik, von 1991 bis zum Jahr 2002 gehörte sie dem Berliner Abgeordnetenhaus an, danach wurde sie Mitglied des Bundestages, in dem sie für eine soziale und gerechte Gesellschaft streitet. Ihr nächstes großes Ziel: Im Herbst 2017 wieder ein Direktmandat für den Bundestag zu gewinnen. Gesine Lötzsch war zeitweise eine der beiden Parteivorsitzenden der Linken. Ihr Arbeitsverhältnis als wissenschaftliche Assistentin an der Berliner Humboldt-Universität ruht derzeit.    Ralf Roland


Eulenspiegel Verlag, Berlin 2017, www.eulenspiegel.com, ISBN 978-3-359-01732-5, 158 Seiten, 9,99 Euro