Im Urwald bei den Indianern

Erlebnisse zwischen Bananenstauden und Palmen

Eine nicht alltägliche Stippvisite in Panama

Das Leben vieler Indianer in Mittel- und Südamerika hat sich verändert. Ihre angestammten Siedlungsgebiete haben sie vielfach verloren, sie sind in den Slums der Städte gelandet und leben meist von Gelegenheitsarbeiten. Einige von ihnen möchten jedoch die alten Stammesstrukturen erhalten und ihre traditionelle Lebensweise nicht aufgeben. Sie nahmen das Angebot der Regierung Panamas an, sich im Nationalpark am Ufer des Rio Chagres anzusiedeln.

Am Flussufer stehen die einfachen mit Palmenblättern bedeckten Hütten, auf Stelzen errichtet, um vor Jaguaren und Schlangen sicher zu sein. Ein oder zwei Meter über dem Erdboden befindet sich der Eingang, nur über eine wacklige Astleiter zu erreichen. Rhythmische Klänge empfangen uns, als wir mit langen, schmalen Holzkanus ankommen. Mittlerweile haben sich die Indianer an die Gäste gewöhnt, die manchmal mehrmals in der Woche vorbeischauen und sehen sie als gute Einnahmequelle.

Landwirtschaft ist im Nationalpark nicht erlaubt, lediglich der Medizinmann darf seinen Kräutergarten bewirtschaften. Die Touristen bringen etwas Geld zum Leben. Die Indianer freuen sich, einige von ihren Bräuchen zeigen zu können, die sie hier fern der Zivilisation im Dschungel bewahren. Die neugierigen Gäste beobachten alles interessiert, fühlen sich in eine andere Welt versetzt. Eine Verständigung mit den Gastgebern ist nur selten möglich, kaum einer von ihnen spricht Englisch oder Spanisch. Auf Bananenblättern reichen Frauen einen Imbiss, Fisch mit gebackenen Bananenscheiben. Immer wieder erklingt Musik, wird getanzt. Die Frauen mit Blumenblüten im Haar tragen farbige Röckchen und einfachen Schmuck, zwischen grünen Bananenstauden und Palmen bieten sie Souvenirs an, selbstgefertigte kleine Gegenstände wie Schnitzereien und Flechtarbeiten. Türschlösser sind unbekannt, alles  in dem Dorf steht offen. In einer Hütte brutzeln Fische in einer Pfanne, nebenan sieden Bananen in einem Topf. Gegessen wird vor allem das, was die umgebende Natur bereithält.

Das Abschiednehmen wird mit Trommelwirbel angekündigt, der Außenbordmotor des Holzbootes heult auf. Von einem nahen Baum kreischt ein Papagei. Wenn wir wieder weg sind, werden einige der Indianer die traditionelle Stammeskleidung ablegen, T-Shirts und Sandalen anziehen. Das aber hat von den neugierigen Touristen noch keiner gesehen, uns hat es auf dem Weg zum Boot ein Halbwüchsiger verraten, der ein paar Brocken Englisch beherrschte.

Bernd Wurlitzer