Im Sternberger Seenland

Tag 1: Zuerst schauen wir uns das kleine Städtchen Sternberg an. Es erhebt sich wirklich auf einem „Berg“, eher wohl einem Hügel. Die mittelalterliche Altstadt mit Marktplatz, Kirche, Stadtmuseum und einer zum Teil gut erhaltenen Stadtmauer thront darauf, sternförmig führen Gassen und Straßen und Wege hinunter an den Sternberger See. Die wuchtige Backsteinkirche St. Maria und St. Nikolai beeindruckt durch ihre Ausmaße. Auf den 55 m hohen Turm müssen wir hoch, der Blick von oben auf die Wasser- und Waldlandschaft ist phantastisch. Neben dem Museum entdecken wir ein Eiscafé, wo wir im Garten sitzen und es uns bei Kaffee, Kuchen und einem Eis gut gehen lassen. Eis und Kuchen werden im Familienbetrieb selbst hergestellt, versteht sich. Nun geht es ans Wasser, wir fahren an den Roten See bei Brüel. An der Naturbadestelle wagen wir einen Sprung ins kühle Nass. Wir leihen ein Ruderboot und lassen uns auf dem idyllisch gelegenen See treiben bis der Hunger zwickt. Auf der Seeterrasse des Restaurants Blockhütte probieren wir Maränen und Sauerfleisch, beides für die Region typische Gerichte.

Tag 2: Der Tag beginnt mit einer Schnupper-Paddeltour. Wir, die noch nie gepaddelt sind, wagen den Einstieg am Gutshaus Alt Necheln für eine etwa 90-Minuten-Tour bis nach Weitendorf, wo uns schon der Kanuvermieter erwartet. Bis wir endlich im schaukelnden Boot sitzen, dauert es ein wenig, aber nach kurzer Eingewöhnung ist es ein wunderbares Gefühl, über das Wasser zu gleiten, die himmlische Ruhe zu genießen, nur unterbrochen vom Zwitschern der Vögel und dem leisen Surren der Libellen. Da es „bergab“ geht, ist das Paddeln auch nicht zu anstrengend. Nun steht eine Wanderung mit einer Rangerin des Naturparkzentrums auf dem Programm, die uns durch das Warnow-Durchbruchstal führt. Es ist das größte Durchbruchstal im Norden mit Mischwäldern auf bis zu 30 Meter hohen Steilhängen und einer sich quicklebendig gebärdenden Warnow. Start ist in Sternberger Burg, wir laufen durch Wiesen und Wald bis zur hölzernen Warnowbrücke und weiter zum Parkplatz Groß Görnow. Eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt ist hier heimisch. Die Rangerin weiß auf alle „dummen“ Fragen von uns Städtern eine Antwort und zeigt uns Sumpfdotterblumen, Schuppenwurz, Pfeilkraut und Igelkolben. Der schrille Ruf des Eisvogels ist zu hören, zu Gesicht bekommen wir ihn aber nicht. Auch der Biber bleibt uns verborgen, seine an Bäumen und Boden hinterlassenen Spuren sind dagegen sehr deutlich zu sehen. Dass wir uns auf geschichtsträchtigem Boden befinden, haben wir schon gehört. Nun wollen wir zum Archäologischen Freilichtmuseum, das auf den Resten einer slawischen Wallanlage entstand, die in den 1970er-Jahren ausgegraben wurde. Beeindruckend, was es alles zu sehen gibt: Burgwall, Kultstätte, Flechtwand- und Blockhütten, tägliche Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge, Einbäume, Eisschlitten. So gewinnt man einen Einblick in das Leben unserer Vorfahren vor über 1000 Jahren.

Tag 3: Nach so viel Natur muss natürlich noch ein bisschen Kultur sein. Die finden wir im nahen Güstrow. Das Renaissance-Schloss aus dem 16. Jh. verleiht der Stadt ihren besonderen Reiz. Weltberühmt ist „Der Schwebende“ des Bildhauers Ernst Barlach (1870–1938) im Güstrower Dom. Die Gertrudenkapelle werden Werke aus seiner Güstrower Schaffensperiode ab 1910 gezeigt. Nun lassen wir uns mit dem Elektrokutter über den Inselsee schippern. Lautlos gleitet das Boot durch einen kleinen Kanal, vorbei an romantischen Seegrundstücken und stoppt vor einer Brücke. Die muss der Bootsführer selbst zur Seite drehen, damit das Boot weiterfahren kann. Ein schöner Spaziergang am Ufer des Inselsees führt zum Atelierhaus mit seinem neuen Anbau, wo am authentischen Ort Plastiken, Holz- und Steinskulpturen, Zeichnungen und Druckgraphiken des großen Barlach ausgestellt sind.  Kerstin Sucher


Tourismusinformation Sternberg, Am Markt 3, 19406 Sternberg, Tel. 03847 444535, www.stadt-sternberg.de.

Naturparkzentrum Sternberger Seenland (mit interaktiver Ausstellung), Am Markt 1, 19417 Warin, Tel. 038482 235270, www.naturpark-sternberger-seenland.de.

Güstrow-Information, Franz-Parr-Platz 10, 18273 Güstrow, Tel. 03843 681023, www.guestrow-tourismus.de.