Hiddensee kompakt

Ein eigenes Reisemagazin für die Insel …

Hiddensee ist mehr als das Gerhard-Hauptmann-Haus, der Leuchtturm und Sanddorn. Das meint Thomas Osterkorn. Der war 14 Jahre Chefredakteur beim „Stern“, hat also einen Blick dafür. Und nicht nur das. Ihm scheint Hiddensee zu gefallen, denn sonst hätte er sich auf Sylt zurückgezogen und nicht die Mini-Insel westlich vor Rügen zu seinem Zweitwohnsitz gewählt. Osterkorn kann also das Geschehen vor Ort hautnah begleiten.
Den etablierten Reisemagazinen vom ADAC (146 Seiten, 8.95 Euro) und DuMont Reiseverlag (120 Seiten, 9,95 Euro) ist Hiddensee für eine eigene Publikation zu klein. Die zu erwartenden Verkaufszahlen sind für sie undiskutabel. Hiddensee misst nur 16,8 mal 3,7 km und hat gerade mal 1000 Einwohner. Das Inselchen wird aber im Jahr von etwa 220 000 Tagesgästen überflutet, und auf die setzt Osterkorn mit seinem Magazin „Hiddensee neu entdecken“. Er möchte Begeisterung für die Insel wecken, damit sie wiederkommen und länger bleiben. In dem Magazin kommt alles vor, was Hiddensee zu bieten hat, Yoga ebenso wie Reiten, Angeln, Kultur und Natur. Und weil ein Ex-Stern-Chefredakteur über gute Drähte verfügt, konnte er für sein Magazin sogar die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, für ein kurzes Interview gewinnen. Um seine Idee umzusetzen, gründete er kurzerhand den Leuchtfeuer-Verlag Hiddensee – Deutschlands wohl einziger Verlag mit nur einer Produktion im Programm. Und zu diesem einen Titel sagt er: „Den habe ich mehr zum Spaß gemacht.“ Ob Ostermann mit seinem Vorhaben auf der Erfolgsschiene fährt, wird das kommende Jahr zeigen: Erscheint eine aktualisierte Auflage des Hiddensee-Magazins, dann wurden 2018 die gedruckten 4000 Exemplare verkauft. Wenn – dann sollen weitere Magazine über andere Regionen erscheinen, die für die großen der Branche zu klein sind.

… und ein Reiseführer nur für das „söte Länneken“

Zu klein ist auch den etablierten Reiseführerreihen Marco Polo, DuMont extra und Merian live! das „söte Länneken“, wie die Einheimischen ihr Hiddensee nennen. Die Insel handeln sie, neben Stralsund, auf wenigen Seiten in Ihren Rügen-Bänden ab. Mut bewiesen hat der Mitteldeutsche Verlag, der in seiner Reihe „99 Besonderheiten“ ein nur Hiddensee gewidmetes Reisebuch herausbrachte. Und der Verlag Via-Reise! Der verfolgt das, was Thomas Osterkorn mit seinem Hiddensee-Magazin praktiziert, nämlich kleine, überschaubare Regionen vorzustellen. Hiddensee hat der gestandene Reiseführerautor Rasso Knoller verfasst, und sich als Co-Autorin Susanne Kilimann ins Boot geholt. Beide dürften bislang kaum ihre Reisekosten reingeholt haben, weil zu wenig Exemplare verkauft werden. Wenn es nicht so wäre, hätte der Verlag schon lange die 2. Auflage herausgebracht. Warum haben sich die beiden Autoren die aufwendige Recherchearbeit für den Hiddensee-Führer angetan? Die offensichtliche Liebe zur Insel dürfte der Ansporn für diese Fleißarbeit gewesen sein.

Reiseführer werden meist erst aktualisiert, wenn im Lager nur noch wenige Exemplare vorhanden sind. Bis eine Aktualisierung erfolgt, vergehen manchmal Jahre. Der Via-Reise Verlag wäre deshalb gut beraten gewesen, auf kleinteilige Detailinformationen zu verzichten. Die Erfahrung lehrt: Lieber keine Information als eine, die beim Kauf des Reiseführers nicht mehr stimmt. „Auf Hiddensee ticken die Uhren anders, “schreibt Knoller. Aber sie stehen auch nicht still: So haben sich beispielsweise seit der Erarbeitung dieses Reiseführers die Fährpreise verändert, wenn auch geringfügig, und beim Leuchtturm auf dem Dornbusch sowie der Stralsunder Marienkirche die Öffnungszeiten. Vermissen wird der aufmerksame Hiddensee-Besucher den bestehenden Erlebnispfad De lütt Küst in Vitte. Der fehlt, weil es ihn beim Erscheinen des Reiseführers noch nicht gab. Für eine neue Auflage sollten die Wassertaxis vorgemerkt werden. Wer abends die letzte Fähre verpasst und kein freies Zimmer mehr findet, muss nicht verzweifeln das Wassertaxi  bringt ihn in der Nacht nach Rügen zurück.  Für Tagestouristen wäre die Information wichtig, ob man beispielsweise ein in Kloster ausgeliehenes Fahrrad im südlichen Neuendorf zurückgeben kann.

Wer als Urlauber oder Tagestourist zu diesem Reiseführer und dem Hiddensee-Magazin greift, dürfte manches entdecken, an dem er ansonsten vielleicht achtlos vorbeigelaufen wäre. Durch die Hintergrundinformationen wird er dieses und jenes anders sehen. Der Kauf des Reiseführers lohnt aber schon allein wegen der vielen Karten, die man in diesen Details und in dieser Vielfalt nirgendwo anders findet.    Ralf Roland


Leuchtfeuer-Verlag Hiddensee, ISBN 978-3-9819571-0-5, 90 Seiten, 9,80 Euro

Via-Reise Verlag, www.viareise.de, ISBN 978-3-945983-09-6, 144 Seiten, 9,95 Euro