Gefangen im Netz der Dunkelmänner

Rund 40 Informelle Stasi-Mitarbeiter (IM) waren auf den Tierarzt Berndt Seite angesetzt, darunter Nachbar Krüger, mit dem der einstige CDU-Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern (1992–98) nach wie vor Zaun an Zaun wohnt. Dass es in Seite brodelt und kocht und er sich das von der Seele schreiben musste, was meist hinter seinem Rücken passierte, ist nachvollziehbar. Seite selbst: „Es gibt Dinge, die hängen einem wie Mühlsteine am Hals.“ Was er auf 224 Seiten vorlegt, ist eine enorme Fleißarbeit. Doch warum die Staatssicherheit der DDR den eher unbedeutenden Tierarzt, aber engagierten Kirchenmann – der wahrlich nicht zu den Regimekritikern wie Bärbel Bohley, Freia Klier oder Friedrich Schorlemmer gehörte – so arg ins Visier nahm, erschließt sich einem nicht so recht. Fast 6000 Seiten Informationen wurden über Seite und seine Familie zusammengetragen.

Er hätte nie geahnt, „dass einmal DDR-Geschichte auf Stasi reduziert werde“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident a. D. Manfred Stolpe. Seite würde hier gewiss aus seinem Buch zitieren: „Die Leute von früher ändern sich nicht“, auch von einer „zweiten Chance“ hält er wenig. Logisch, dass für den kompromisslosen Seite feststeht: Der Linken-Politiker Gregor Gysi war ein Stasi-Spitzel. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat die Zusage zurückgezogen, das Vorwort für das Buch zu schreiben.  Bewu.


Autoren: Berndt Seite, Annemarie Seite, Sibylle Seite; Bertuch Verlag Weimar, www.bertuch-verlag.com, ISBN  978-3-863-97-052-0, 224 Seiten, 19,50 Euro