Gebrauchsanweisung für Kreuzfahrten

Die Kardinalfrage vor jeder Kreuzfahrt: Möchte man sich an Bord entspannen oder möglichst viel bei Landgängen sehen? Für die einen ist das Schiff das Reiseziel, für die anderen sind es die Destinationen. Das schwimmende Hotel mit Vollpension – und der Bequemlichkeit, die Koffer nur einmal ein- und auspacken zu müssen –  transportiert uns meist über Nacht in die nächste Stadt. Wie Autor Thomas Blubacher gehört der Rezensent zu den Kreuzfahrern, die es kaum erwarten können, dass die Gangway heruntergelassen wird, um an Land zu sausen.

Wie mit den Hotels an Land, verhält es sich auch bei den Kreuzfahrtschiffen: Nicht jedes entspricht unseren Vorstellungen. „Aida“ hat die deutsche Kreuzfahrt revolutioniert, das sollten vor allem treue „Traumschiff“-Zuschauer wissen: Passé sind feste Tischzeiten und die Sitzordnung in den Restaurants, passé ebenfalls Abendgarderobe und Kapitänsempfang. Mit der entspannten, ungezwungenen Atmosphäre konnte eine deutlich jüngere Zielgruppe erreicht werden. Der Altersdurchschnitt liegt bei „Aida“ und bei der Tui-Flotte „Mein Schiff“ vielfach unter 40. Blubacher stellt unterschiedliche Schiffe vor, er schildert die jeweilige Atmosphäre. Und nebenbei erfahren Kreuzfahrtneulinge viel von den verschiedenen Kabinenkategorien, aber auch, dass die scheckkartengroße Plastikkarte als Schiffsausweis, Kabinenschlüssel sowie Zahlungsmittel dient, die Kommandozentrale „Brücke“ heißt und der Notfall-Passagier-Sammelplatz „Musterstation“. Nach dem Lesen dieses Buches müssten Newcomer wissen, welches Schiff ihren Neigungen entspricht und erfahrene Kreuzfahrer dürften sich hier und dort wiedererkennen. Autor Blubacher schreibt, dass „keine andere Art des Reisens so bequem, so erholsam und so vergnüglich“ sei und in einem Interview fügte er hinzu, eine Kreuzfahrt sei das Schönste und Aufregendste, das man im Urlaub machen kann. Er schwärmt von seinen Reisen im Indischen Ozean, in der Karibik, im Mittelmeer, in der Ostsee und auf Europas Flüssen. Der Rezensent schließt sich an, denn er ist dort ebenfalls gewesen. Deshalb stimmt er Blubacher zu, der meint, er könnte im Jahr mehrere Kreuzfahrten unternehmen, weil es so tolle Destinationen auf der Welt gibt und er viele davon gern mehrmals besuchen würde. Spätestens an dieser Stelle weiß der Leser, für Blubacher sind nicht die Schiffe das Ziel, sondern das Mittel zum Reisen. Er gehört zu jenen, die in kurzer Zeit möglichst viel an Land entdecken möchten, wie der Rezensent auch. Mit dem Flugzeug, dem Bus oder Auto ist das in dieser kurzen Zeit nicht machbar.                   Bernd Wurlitzer


Piper Verlag, www.piper.de, 978-3-49227-681-8, 240 Seiten, 15,00 Euro

3 von 20 000 aus dem Verlagsprogramm

Hier ein Blick in das umfangreiche Programm von Shaker-Media, dem in Nordrhein-Westfalen ansässigen Verlag. Rund 20 000 Titel sind lieferbar – in der gedruckten Version oder digital. Dazu gehören:

Fünf Monate lang reiste Horst Wehrse mit verschiedenen Menschen um die Welt. Seine Eindrücke, Erfahrungen und Hindernisse hielt er in einem Tagebuch fest. Seinem Buch „Mit Freunden um die Welt“ hätte ein Lektor gut getan, der den fleißigen Schreiber an die Hand genommen hätte, damit er ein richtiger Autor wird. So hätte man gern hier und dort mehr erfahren, beispielsweise warum der Kellner in Panama City „so zurückhaltend ist“ oder warum die Tempelanlage in Bagan beeindruckte? Bei den 25 Farbfotos wünschte man sich weniger die Mitreisenden von Horst Wehrse, sondern mehr von den Top-Sehenswürdigkeiten zu sehen.

Zu den unter „Reisen“ angebotenen Titeln befindet sich auch das von Peter Göthner, der schildert, wie Elise und Hans mit Rad, Zelt und Schlafsack durch Norwegen, Island und Zypern reisen. „Für die Kreuzfahrt noch zu jung“ betitelte er das Buch, die beiden Protagonisten sind zusammen mehr als 150 Jahre alt. Der Titel ist wahrlich nicht mehr zeitgemäß, wer beispielsweise mit „Aida“ oder „Mein Schiff“ unterwegs ist, im Mittelmeer oder in der Karibik, der wird über die vielen jungen Menschen staunen, die in den Hafenstädten die Gangway nach unten eilen und sich für den Landausflug auf eins der bereitstehenden Räder schwingen. Sie haben die Kreuzfahrt entdeckt, weil ihr Hotelzimmer – sprich Kabine – mit ihnen reist, der Koffer im Gegensatz zu den Reisen von Elis und Hans nur einmal aus- und eingepackt werden muss. Das Durchschnittsalter beträgt etwa 40 Jahre. Elis und Hans lässt Autor Göthner fragen, warum tun wir uns das an, bei Kälte und Regen zu strampeln, oft über geröllige Straßen? Warum fühlen sich die beiden „Für die Kreuzfahrt noch zu jung“? Weil Göthner wohl noch nie eine Kreuzfahrt mitgemacht hat. Diese Gewissheit vermittelt der Prolog seines Buches. Bei ihm hat sich die pauschale Voreingenommenheit gehalten: Kreuzfahrtschiffe sind „schwimmende Altersheime“ für Finanzstarke.

Ob Kreuzfahrtschiff, Pension oder Zelt – Sex gehört irgendwie zum Reisen dazu! Schon die Vorstellung von einem klaren Sternenhimmel und sich im Wind wiegenden Palmen lässt bei vielen den Puls schneller schlagen! Wann, wo und wie? Shaker Media hat auch Ratgeber im Programm so „Liebe, Sex & Zärtlichkeit“ von dem Heilpraktiker für Psychotherapie Abbas Schirmohammadi, der auf Seite 27 schreibt, dass ein Mann „so 20 Mal am Tag“ an Sex denke. Na dann. . . Aber was ist, wenn man allein reist? Auf Seite 39 des Buches ist zu lesen, 99 Prozent aller Männer befriedigen sich selbst, bei Frauen sind es immerhin auch 87 Prozent. Da sollte doch ein One-Night-Stand zustande kommen, bei Schirmohammadi ein „prickelndes, erotisches Abenteuer“, das „in Mode wie nie zuvor“ ist …              Ralf Roland


Mit Freunden um die Welt, von Horst Wehrse, www.shaker-media.eu, ISBN 978-39563-226-7, 184 Seiten, 10,90 Euro

Für die Kreuzfahrt noch zu jung, von Peter Göthner, www.shaker-media.eu, ISBN 978-3-95631-399-8, 176 Seiten, 15,90 Euro

Liebe, Sex & Zärtlichkeit, von Abbad Schirmohammadi,  www.shaker-media.eu, ISBN 978-3-95631-320-2, 126 Seiten, 11,90 Euro