Abenteuer Sultanat Brunei

Märchenhafte Moschee und Häuser auf Stelzen

Stippvisite in einem nahezu unbekannten Land

Sultan Hassanal Bolkiah herrscht als Staatsoberhaupt, Premier-, Verteidigungs- und Finanzminister über eins der kleinsten Länder der Erde, gerade mal doppelt so groß wie das Saarland, aber mit nur halb so vielen Einwohnern. Das Erdöl sprudelt Geld in die Kasse des Sultans. „Wir zahlen keine Steuern, Schulen und die medizinische Versorgung sind kostenlos“, erfahren wir von Taxifahrer Panjang.

Rund 30 000 Menschen leben in den Pfahlbauten von Kampong Ayer am Ufer des Brunei-Flusses. Wir balancieren von Haus zu Haus über Holzblanken, Stege von 36 km Länge verbinden die Pfahlbauten miteinander, darunter Läden, Schulen, ein Krankenhaus. Die Menschen grüßen höflich, die Kinder schauen uns kichernd hinterher. Beim Bummel durch die Hauptstadt Bandar Seri Begawan meinen wir, in keinem asiatischen Land zu sein. Das übliche quirlige Leben auf den Straßen und Plätzen fehlt, es gibt keine schreienden Händler und hupenden Autofahrer, ein Nachtleben existiert nicht. Zum Wahrzeichen des Landes avancierte die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee aus weißem italienischen Mamor mit schlanken Minaretten. Die Kronleuchter stammen aus England, die Teppiche aus Saudi-Arabien. Als fotogen erweist sich auch der steinerne Nachbau einer königlichen Barke aus dem 16. Jh.

Panjang geht zum Beten gern in die Jame’Asr-Hassanal-Bolkiah-Moschee. In dem Prachtbau führen 29 Stufen zum Gebetsraum, 29, weil Sultan Hassanal Bolkiah der 29. Herrscher ist. Parallel zur Treppe befindet sich eine Rolltreppe. Die darf Panjang aber nicht nutzen, die ist für den Sultan und seine Familie reserviert.  Der Sultan gilt als einer der Reichsten der Welt, sein Palast ist dreimal so groß wie der Londoner Buckingham Palace. Er hat 1788 Räume und 257 Badezimmer, einen Bankettsaal für 5000 Gäste, in den Garagen sollen rund 5000 Autos stehen, hat man uns gesagt. Einmal im Jahr öffnet sich der Prachtbau für drei Tage, alle Besucher erhalten kostenlos ein Festmahl und der Sultan begrüßt jeden männlichen Besucher mit Handschlag. Das Ereignis findet am Ende des Fastenmonats Ramadan statt, erfahren wir von Panjang. Pech für uns! Wir sind einige Monate zu spät dran.

Bruneis nationale Tourismusbehörde wirbt mit „Das Haus des Friedens“ um Besucher. Die sind in dem Land mit strengen Sitten und Gebräuchen selten, die meisten von ihnen kommen aus Malaysia oder Singapur zu einer Stippvisite.  Das Auswärtige Amt empfiehlt Deutschen vor einer Brunei-Reise, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen, um im Notfall eine schnelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen.   Bernd Wurlitzer


Reisehinweise für Brunei: Deutsche Touristen können für einen 30-tägigen Aufenthalt visumfrei einreisen, die Anreise erfolgt per Flug von den Nachbarstaaten oder über Land von Malaysia. Keine Bahnverbindung. Es wird weitestgehend Englisch gesprochen. Ganzjährig warmes und feuchtes Klima mit einer Durchschnittstemperatur von 27 Grad. Kreditkarten, vornmehmlich Visa und Mastercard, werden meist akzeptiert. Hotels sind über das Internet buchbar.